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Inside Sales Blog für Immobilienmakler

Praxiswissen zur Bestandstelefonie: aus der eigenen Kaufinteressenten-Datenbank systematisch Einwertungstermine und Alleinaufträge gewinnen – ohne neue Leads zu kaufen.

Drei Gründe, warum Bestandstelefonie im Maklerbüro scheitert

bestandstelefonie immobilienmakler inside sales vertriebsprozess Sep 08, 2026

Die Idee ist schnell erklärt und leuchtet sofort ein: In der eigenen Kaufinteressenten-Datenbank liegen Eigentümer, die niemand sonst kennt. Man müsste sie nur anrufen.

Genau deshalb hat fast jedes Maklerbüro es schon einmal versucht. Und genau deshalb hören die meisten nach zwei, drei Wochen wieder auf.

Das liegt nicht an der Idee. Es liegt an drei Dingen, die vorher niemand geklärt hat.

Grund 1: Es gibt keinen Prozess, nur einen Vorsatz

Der typische Start sieht so aus: Montagmorgen, jemand exportiert eine Liste aus dem CRM, verteilt sie im Team und sagt „Ruft die mal durch."

Was fehlt, ist alles, was aus einer Liste einen Prozess macht:

  • Wer wird zuerst angerufen? Nach welchem Kriterium ist die Liste sortiert – Alter des Kontakts, Objektart, Region, letzte Aktivität?
  • Was ist das Ziel des Gesprächs? Ein Termin? Eine Information? Eine Einschätzung?
  • Was passiert nach dem Anruf? Wo wird das Ergebnis festgehalten, und wer schaut es sich wann wieder an?
  • Was gilt als Erfolg? Ohne definierte Zielgröße fühlt sich jeder Tag wie Scheitern an.

Ohne diese Antworten telefoniert jeder Mitarbeiter anders, das Ergebnis ist nicht auswertbar, und nach zehn Tagen weiß niemand mehr, ob es funktioniert. Was man nicht messen kann, hört man irgendwann auf zu tun.

Was hilft: Bevor der erste Anruf rausgeht, wird der Ablauf einmal auf Papier definiert. Selektion, Gesprächsziel, Dokumentation, Wiedervorlage. Das dauert einen Vormittag und entscheidet über alles Weitere.

Grund 2: Telefonieren steht immer hinten in der Prioritätenliste

Bestandstelefonie hat einen strukturellen Nachteil gegenüber jeder anderen Aufgabe im Maklerbüro: Sie ist nie dringend.

Eine Besichtigung hat einen Termin. Ein Notarvertrag hat eine Frist. Ein Kunde, der anruft, will jetzt eine Antwort. Der Anruf bei einem Kaufinteressenten von vor zwei Jahren hat nichts davon. Er kann immer auch morgen stattfinden – und tut es deshalb nie.

Das ist kein Motivationsproblem, sondern ein Kalenderproblem. Aufgaben ohne äußeren Termindruck verlieren jeden Tag gegen Aufgaben mit Termindruck. Zuverlässig.

Was hilft: Der Telefonblock bekommt einen festen Platz im Kalender, wie eine Besichtigung. Gleiche Uhrzeit, gleiche Tage, feste Dauer. Nicht „wenn Zeit ist", sondern dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Wird der Block verschoben, wird er verschoben – nicht gestrichen.

Grund 3: Niemand weiß, was er im ersten Satz sagen soll

Der dritte Grund wird selten offen ausgesprochen, ist aber der stärkste: Die Hemmschwelle vor dem ersten Satz.

Wer bei einem Kontakt anruft, den er vor zwei Jahren zuletzt gesprochen hat, hat eine unangenehme Frage im Kopf: Was will ich eigentlich von dem? Und weil die Antwort unklar ist, klingt der Einstieg unsicher. Unsicherheit am Telefon führt zu Ablehnung. Ablehnung führt dazu, dass der nächste Anruf noch schwerer fällt.

Nach fünfzehn Gesprächen dieser Art legt man den Hörer weg und sagt: „Bringt nichts."

Dabei liegt das Problem nicht beim Kontakt, sondern bei der fehlenden Antwort auf eine einzige Frage: Wozu rufe ich an? Wer darauf einen klaren, ehrlichen Satz hat, telefoniert entspannt. Wer ihn nicht hat, improvisiert – und improvisieren funktioniert am Telefon nicht.

Was hilft: Ein sauber formulierter Gesprächseinstieg, der einen legitimen Anlass benennt, keine Verkaufsabsicht vortäuscht und in unter zwanzig Sekunden erklärt, warum dieser Anruf für den Gegenüber relevant ist. Diesen Satz muss man nicht erfinden – man kann ihn lernen.

Die gemeinsame Ursache

Alle drei Gründe haben denselben Kern: Bestandstelefonie wird als Tätigkeit behandelt, nicht als System.

Eine Tätigkeit hängt an Motivation, Tagesform und freien Zeitfenstern. Ein System hängt an Definition, Kalender und Wiederholung. Der Unterschied im Ergebnis ist erheblich – und er hat mit Verkaufstalent nichts zu tun.

Wer die drei Punkte vorher klärt, telefoniert nicht besser. Er telefoniert nur weiter. Und das ist der eigentliche Hebel.

Zuerst die Zahl, dann der Prozess

Bevor du an den Prozess gehst, lohnt sich eine einzige Zahl: Wie viel Potenzial steckt überhaupt in deiner Datenbank? Wenn die Antwort groß genug ist, klärt sich die Prioritätenfrage von selbst.

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